4 - Stufenmodell med. Behandlung mit Gattungszuweisung
Die beschriebenen Symptome in den Giftberichten sind querschnittlich erfasst. Grundlagen hierfür sind protokollierte Giftauswirkungen bei Stichopfern (entnommen aus Fachliteratur = siehe Rubrik Literatur im Forum bzw. aus der Datenbank der Giftnotrufzentrale München). Spezielle Reaktionen eines allergischen Individuums können nicht berücksichtigt werden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Symptome von Organismus zu Organismus unterschiedlich sein können. Mindergiftig bedeutet nicht harmlos, für den gesunden Menschen eher ungefährlich bedeutet ebenfalls nicht harmlos. Allergische Reaktionen können durch Stichunfälle jeder Gattung zum Tode führen.
1.) Stiche mit geringer Lokalsymptomatik ohne systemische Giftwirkung:
Bei Stichen von mindergiftigen Skorpionen, z.B. Euscorpius spec. und Pandinus spec., wird der Schmerz und die weitere auftretende Lokalsymptomatik in der Stärke einen Bienen- oder Wespenstich nicht übertreffen. Man kann in diesen Fällen davon ausgehen, dass keine weiteren Einwirkungen auf den Organismus mehr passieren werden. Eine Lebensgefahr ist auch mit allergischen Reaktionen eher unwahrscheinlich. Diese treten nur in seltensten Fällen auf. Haltern wird eine Tetanusimpfung (Wundstarrkrampf) empfohlen. Zur Behandlung gehört neben verbaler Beruhigung, eine Wunddesinfektion mit Alkohol. Eine weitere ärztliche Überwachung ist nicht notwendig.
Skorpiongattungen, deren Stich nur leichte kurz anhaltende Schmerzen hervorrufen:
Diplocentrus spec.: südwestliche USA, Mittelamerika, Westinische Inseln
Opisthacantus spec.: Afrika, Florida, Mittel- und Südamerika, Westinische Inseln
Opistophthalmus spec.: südliches Afrika
Pandinus spec.: Afrika, Mittlerer Osten
Scorpio spec.: Nord- und Westafrika, Mittlerer Osten
2.) Stiche mit starker Lokalsymptomatik ohne systemische Giftwirkung:
Gefährlicher sind Stiche von Skorpionen deren Stich stark schmerzend sowie länger anhaltende und stärkere Lokalreaktionen verursacht. Mit systematischen Symptomen durch das Gift ist bei dieser Gruppe, zu welcher z.B. Hadrurus arizonensis oder der europäische Buthus occitanus gehören, nicht zu rechnen, jedoch treten Übelkeit, Schwindel, Hyperventilation bis hin zum Kreislaufkollaps auf. Grund für diese Symptome sind Angstreaktionen sowie Reaktionsreize auf die starken Schmerzen. Neben der allgemeinen notärztlichen Behandlung wird eine Schmerztherapie eingeleitet sowie eine Überwachung im Krankenhaus empfohlen.
Skorpiongattungen, deren Stich heftige, meist lang andauernde Schmerzen hervorrufen:
Buthus occitanus: Südeuropa
Compsobuthus spp.: Nordafrika, Vorderasien bis Indien
Hadrurus spec.: Südwesten der USA, Mexiko
Lychas spec.: Süd- und Ostafrika
Mesobuthus gibbosus: Östliches Südeuropa, Türkei
Ortochirus spec.: Nordafrika, Vorderasien bis Indien und Chin
Urodacus spec.: Australien
Uroplectus spec.: Zentral- und Ostafrika, Ostindien
Vaejovis spec.: Westen Nordamerikas, Mittel- und nördliches Südamerika
3.) Stiche mit starken Schmerzen und kardiovaskulärer Symptomatik:
Die nächst gefährliche Gruppe von Skorpionen löst nach einem Stich einen starken Lokalschmerz sowie eine Stimulation der cholinerge Rezeptoren aus. Zu späterem Zeitpunkt werden durch Katecholaminfreisetzung adrenerge Rezeptoren stimuliert. Die systemische Giftwirkung findet zunächst in einer Form einer Tachykardie, Hypertonie und Extrasystolen statt. In schweren Fällen reicht das Spektrum von Hypotonie bis Schock durch Erschöpfung der Katecholaminspeicher. Bradykardie, AV – Blockierungen sowie selten anfängliche Hypotonie sind durch cholinerge Giftwirkungen verursacht. Als vegetative, cholinerg verursachte Anfangssymptomatik finden sich oft Bronchial-, Nasen-, Speichel- und Tränenfluss sowie gastrointestinale Symptome wie Übelkeit mit Erbrechen. In Extremfällen kann es zu Hyperthermie bis über 41°C kommen. Aufgrund der möglichen schweren Symptomatik muss nach einem Stich aus dieser Gruppe unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Eine klinische Überwachung über einige Stunden ist unerlässlich. Die kardiologischen Auswirkungen sind gut behandelbar. Eine Gabe von Antiseren und deren Wirksamkeit ist umstritten.
Skorpione, deren Stiche starke Schmerzen und kardiovaskuläre Symptomatik hervorrufen können sind:
Babycurus spec.: Ost- und Mittelafrika
Bothriurus spec.: Südamerika
Buthus tunetanus: Nordafrika, Vorderasien
4.) Stiche mit kardialer und zentralnervöser Symptomatik:
Die Gruppe 4 beinhaltet Skorpionarten, welche durch einen Stich große Mengen an Katochelamin freisetzen. Dadurch führen sie lebengefährliche Herz – Kreislauf – Beschwerden herbei. Zusätzlich stimulieren sie das Zentralnervensystem und lösen somit Erregung, Verwirrtheit und Krampfanfälle aus. Die Merkmale eines Stiches der Gattung Centruroides sind extrapyramidale Symptome mit oropharyngealen Dyskinesien und unkontrollierten Extremitätenbewegungen. Zusätzliche peripher neuromuskulär wirkende Toxinanteile können zu Muskelzuckungen, Muskelkrämpfen, Lähmungen und höllisch qualvollen Schmerzen führen. Im Endstudium kann es zu Herzinfarktsymptomen und zu einem kardial und selten auch toxisch verursachten Lungenödem kommen. Symptome der cholinergen und gastrointestinalen Bereiche entsprechen der Gruppe 3. Schon bei lediglich nur in Verdacht kommendem Stich eines Skorpions aus dieser Gruppe ist sofort ein Arzt auf zu suchen. Eine Überwachung ist lebensnotwendig. Garant hierfür ist eine schnellstmögliche Behandlung in den ersten Stunden. Sollte es zu keinen schweren Symptomen in dieser Zeit kommen, wird es in der Folge keine Verschlimmerung des Zustandes des Patienten geben. Wirksame Antiseren für Stiche von Centruroides spp.. und Tityus spp.. egalisieren die neurologische Symptomatik.
Skorpiongattungen, deren Stiche extrem starke Schmerzen, Herz – Kreislauf – Symptome und teils auch ZNS – Symptome hervorrufen können:
Androctonus spec. : Nordafrika, Vorderasien
Buthacus spec.: Vorderasien
Hottentotta spec.: Afrika, Asien
Centruroides spec.: USA (Südstaaten), Mittelamerika
Zitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 1999; 96: A-1710-1715
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Anschrift für die Verfasser
Dr. med. Johann J. Kleber
Toxikologische Abteilung der II. Medizinischen Klinik der Technischen Universität München
Klinikum Rechts der Isar
Ismaninger Straße 22
81664 München
Geändert von Schattenjaeger_01 (30.10.2010 um 17:01 Uhr)
An der Anzahl der Neider erkennt man seine Fähigkeiten Niveau ist keine Hautcreme aktuelle Abgabeliste: >>Skorpione<<
Gute Beitrag mit interressante info! Unsere forum toxinspezialist
Grusse, Michiel
Member of Sociedad Entomologica Aragonesa (SEA), Grupo Iberico de Aracnologia (GIA), Zookeys and The Journal of Venomous Animals and Toxins including Tropical Diseases (JVATTD).
Interessen:Scorpions, Amblypgyi and Thelyphonida from South America (especially the Guyana's).
Vor allem bei den in Kärnten so undurchsichtigen Gesetzen bezüglich Gifttierhaltung ein guter Anhaltspunkt, um abzuschätzen, was man nun halten darf, und was nicht.
Denke ich muss mich eben mit den Tieren aus Kategorie I und II zufrieden geben...
Mfg
Bernhard
Es gibt Leute, die geizen mit ihrem Verstand wie andere mit ihrem Geld.
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